back Cowboy für eine Woche

Im Universum der echten Kerle: Ranch-Urlaub in den Vereinigten Staaten - Von luxuriös bis authentisch

~ von Helmut Krähe ~

Die Morgensonne blinzelt gerade träge über das Sandsteinmassiv, da kommen sie schon: Braune, Füchse, Falben - in einer grauen Staubwolke fliegen 50 Pferde über die Ebene, jagen vorbei in den Canyon. Dahinter johlen die Reiter, jauchzen in die endlose blaue Luft, mehr aus Lebenslust als zum Antreiben. Man ahnt den Tag. Dann ist der frühe Spuk vorüber, durch den Staubnebel stechen erste goldene Strahlen. Unten auf der Ranch bearbeitet Köchin Dolly das Triangel: Frühstück! Wir klopfen den Staub von den Hosen, setzen uns zu Pfannkuchen, Bacon & Eggs und dampfendem Kaffee. Doch erst mal Ruhe: Tischgebet. Die Eigentümer der Dryhead Ranch sind Mormonen und legen Wert auf ein frommes Leben. Fluchen, Alkohol und Rauchen sind auf ihrer Ranch streng verboten.

Aber wer will, kann ja im nächsten Ort Party machen - Lowell ist 30 Meilen entfernt, etwa eine Stunde mit dem Geländewagen... Nun, wir sind ja nicht zum Vergnügen hier! Die Dryhead ist eine echte Working Ranch, Muskelkater und Blessuren inklusive. Mit 1000 Stück Rindvieh gibt es immer etwas zu tun. Letzte Nacht etwa hat jemand ein Gatter offen gelassen, 30 Black Angus sind verduftet. Die zu suchen schwingen wir uns nach dem Frühstück aufs Pferd. Wir Möchtegerns sind mitten im Universum der echten Kerle gelandet. Und natürlich deren Frotzeleien ausgeliefert.

Aber das gehört zum Ranchurlaub einfach dazu - ebenso wie quietschende Sättel, die stille Bergidylle Nord-Wyomings, der glitzernde Sternenhimmel.

Wobei die Schönheit der Natur auch einen Viehtreiber lyrisch stimmt: Jack ist "Cowboy Poet" und trägt unterwegs eigene Verse vor. Fürs Aufsteigen nimmt unser Head Wrangler, den sie den "reitenden Buddha" nennen, gern mal einen Felsbrocken zur Hilfe - der Mann ist keine 1,70 Meter groß. Zwischen Strohhut und schwarzem Vollbart funkeln klobige Brillengläser - Jack bedient keinerlei Klischees.

Umso wütender verteidigt er seinen Stand: Als ich mich lobend über das schicke Outfit der Nachbarn äußere, die mit Stetsons, bunten Halstüchern und nietenbeschlagenen Gürteln eine tolle Schau machen, schaut er mich säuerlich an. Woher ich denn bitteschön wüsste, wie Cowboys aussehen? "Tja, äh", stottere ich, "so sehen sie doch im Western aus." Aber die Filme, grummelt Jack, sind Quatsch!

Sein Großvater trieb schon Rinder, unser Wrangler hat im Alter von vier Jahren - am Sattel festgebunden - reiten gelernt, mit acht seinen ersten Lohn eingesteckt. Noch heute lebt er als Tagelöhner. Wenn er von Winternächten in den Bergen erzählt, das Eis im Bart, die Hirten dick vermummt und doch vor Kälte schlotternd, hat er das wirklich erlebt.

Doch heute wird ein warmer Tag: Gegen elf Uhr landen unsere Jacken in den Packtaschen. Mit "Yippy!" und "Iii-ha!" scheuchen wir die schwarzen Rinder aus dem Gestrüpp. Wobei, zugegeben, die meiste Arbeit unsere Pferde machen: Die muskelstrotzenden Working Horses sind so gut ausgebildet, sie treiben die Black Angus fast allein vor sich her.

Nach dem Treiben helfen wir beim Impfen und unterstützen später Dolly in der Küche - wer ein Kontrastprogramm zum Bürostress wünscht, trifft mit Urlaub auf der Working Ranch die richtige Wahl. Und: Zwischen Cowboys und Kojoten, bei gemeinsamer Arbeit, werden Freundschaften geschlossen.

Dude Ranches, die sich von der Rinderzucht verabschiedet und dem Tourismus verschrieben haben, betonen dagegen den Komfort: Der Gast ist eher Kunde als Kamerad. Dafür wird ihm hier eine gediegene bis luxuriöse Infrastruktur geboten - vom Swimmingpool und abendlichem Drei-Gang-Menü im schicken Restaurant bis zu Golfplatz, Gym- und Spa-Bereich. Wobei es Guest Ranches gibt, die Karohemd und Cowboystiefel zum abendlichen Dinner ausdrücklich untersagen - was Jack wohl darüber dichten würde...

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Fotos: Steffi Pilz
Dryhead Ranch, Montana ~ Office: 1062 Road 15
Lovell, WY 82431, USA
Phone: 307-548-6688, Fax: 307-548-2322
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